FlowFood

„Die Nachfrage nach Schwimminseln steigt proportional mit den Meeresspiegeln“, sagt Künstler und Klimaaktivist Joy Lohmann, wenn er den Zweck der multifunktionalen Schwimmplattformen beschreibt. Die sog. “Open-Islands” können als Rettungsinseln in Überschwemmungsgebieten eingesetzt oder auch kontinuierlich genutzt werden zur Energiegewinnung oder Landwirtschaft, zum Wohnen, (langsam) Fahren, sowie im Kultur- und Bildungskontext.
FlowFood nimmt den Aspekt der globalen Nahrungsmittelproduktion unter die Lupe und betreibt ab Sommer 2021 in Hannover eine Musterinsel für schwimmende Landwirtschaft und Klimabildung.
Gemeinsam mit dem Schulbiologiezentrum Hannover entsteht auf dessen idyllischen Waldsee ein Real-Labor zur empirischen Erforschung wassergestützter Anbaumethoden für regionale Nahrungsmittel. Der Bodenanbau mit pflegefreier Kapillarbewässerung wird bereits prototypisch in asiatischen Überschwemmungsgebieten eingesetzt und birgt das größte Potential für Flußdeltas. Doch auch solargesteuerte Tröpfchenbewässerung und Vertikalgärten können auf den zusätzlichen schwimmenden Anbauflächen zur Ernährung der klimawandelbedrohten Küstenbewohner*innen beitragen. „FlowFood“, das schwimmende Gewächshaus kann also als experimenteller Blick in die Zukunft der globalen Nahrungsmittelproduktion betrachtet werden. Als kooperatives Projekt lädt das RealLabor der Makers For Humanity e.V. interessierte Fachpartner dazu ein, gemeinsam an diesem außergewöhnlichen Standort gemeinwohlorientiertes Anwendungswissen zu erarbeiten und open-source zu verbreiten. „FlowFood“ ist zudem ein Projektteil des hannoverschen Kulturhauptstadtprojektes „Reclaiming Mittelland“, das bis 2025 künstlerische Forschung zu innovativen und kreativen Nutzungen regionaler Gewässer betreibt und im europäischen Kontext präsentiert.

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Illustration FlowFood

FlowFood,

die schwimmenden Gärten von Hannover

2 Schwimminseln aus Recyclingmaterial, je 18qm groß, werden zum innovativen Gewächshaus mit Schulgarten. In diesem RealLabor werden wir ertragsorientiert gärtnern und herausfinden, wie eine nachhaltige Nutzung regionaler Gewässer zum Nahrungsmittelanbau funktioniert.

Am Sonntag, 23.5. ist von 16-22 Uhr Besuchertag mit Führungen geplant (gemäß Coronabestimmungen), sodass auch Freund*innen und Bekannte das Projekt und den Arbeitsfortschritt erleben können.

Interessierte Menschen und Gruppen sind eingeladen, sich an diesem kooperativen Projekt zu beteiligen.
Entweder inhaltlich in Forschung und Betrieb der Gärten, in Form von Bildungsangeboten auf und mit der Insel oder ganz konkret beim Bau und Gärtnern.
Zu Pfingsten, 21.-24.5.2021 findet dazu ein 4-tägiges InselBau-Camp statt, für dass sich noch wenige Teilnehmer*innen mit diesem Formular bewerben können.


Hintergrund

Seit das Kunstwerk „future-islands“ 2009 auf dem Maschteich Hannover eindrucksvoll das Potential schwimmender Gärten belegte, stellte Joy Lohmann seine Arbeit in den Dienst humanitärer Anwendungen. In Indien startete er ein Kollektiv interdisziplinärer Maker, welches den Open-Source Bauplan schwimmender Multifunktionsplattformen aus nachwachsenden Rohstoffen und globalisierten Industrieabfällen entwickelte. Diese „Open-Islands“ wurden in Indien, Thailand und Deutschland zur Energieproduktion und Gewässerreinigung, für Bildungs- und Kulturveranstaltungen eingesetzt. 2019 kam das Projekt zurück nach Hannover und bildete auf dem Maschteich am Rathaus eine modulare Lern- und Erlebniswelt aus 5 aneinandergekoppelten Schwimminseln. Dieser „FlowGarden“ wurde in der Umweltbildung mit 20 Schulklassen eingesetzt, die anhand eigener Schwimmbeete fächerübergreifendes Klima- und NaturWissen erlernten.

future-islands
Flow-Garden

Hannovers Insel-Community

Als Beteiligungsprojekt lebt “Reclaiming Mittelland” vom koordinierten Engagement vieler Beteiligter. Neben diesem ersten handwerklichen BauCamp können sich interessierte Menschen, Gruppen, Organisationen im gesamten weiteren Projektverlauf an den Themen und Aktionen beteiligen.

Das Projekt adressiert vielfältige Themenbereiche zum “Leben auf und mit dem Wasser”.
Auch zum Betrieb der Insel auf den Wasserstraßen und bei Veranstaltungen bis hin zur soziokratischen Projektsteuerung möchten wir mit vielen sympathischen Menschen zusammen wirken. Alle Fähigkeiten sind dafür wertvoll, gemeinsam wird das Projekt groß!

Aktuell kann man sich auf facebook an den Diskussionen beteiligen, eine offene Coworking-Plattform entsteht im Laufe des Sommers. Fragen per Mail beantworten wir gerne und freuen uns auch über Ideen und Kooperationsanfragen.

Die Projektschritte 2021 werden veranstaltet vom Makers For Humanity e.V., Projektleiter ist zunächst Künstler Joy Lohmann, bis sich kompetente Teams in den Projektfeldern gebildet haben